BLACK LILIUM - "...Hier treffen düstere, psychedelische Gedanken auf zuckersüße Melodien"

Kategorie:  Interviews

Region:  West-, Mittel- und Südeuropa

Seit dem 31.01.2020 steht das Debütalbum „Dead Man´s Diary“ von BLACK LILIUM in den Läden. Wir durften vorab mit der Band ein Interview führen und sie zur Band, der Produktion und weiteren Themen ein wenig befragen.

DT: Vielen Dank für eure Zeit und eure Geduld. Stellt euch doch bitte kurz vor und nennt uns eure Position in der Band.
Marcel:
Hallo. Erstmal vielen Dank, dass wir das Interview mit euch machen dürfen. Unsere aktuelle Besetzung besteht aus Jan Knoop (Schlagzeug), Maurice Scholz (Gitarre), Felix Hochkeppel (Gesang), Lasse Lammert (Bass) und Marcel Wroblewski (Gitarre). Da Lasse oftmals sehr in seine Studiotätigkeit eingebunden ist, haben wir mit Kim Kroll noch einen Ersatz am Bass gefunden.

DT: Eure Band heisst BLACK LILIUM. Erzählt uns doch bitte, wie ihr euch als Musiker zusammengefunden habt?
Marcel:
Jan und ich haben haben 2014 mit einem Bassisten als Sessionprojekt begonnen. Da der Bassmann allerdings nur lediglich Songs ohne Strukturen machen wollte und auch als Sessionband auftreten wollte, ging das mit Jan und meinen Plänen nicht mehr konform. Wir haben dann mit Sven Dose einen Sänger und Songwriter gefunden mit dem ich die erste Version der Black Lilium Stücke schrieb. Etwas später kam Maurice noch hinzu. Leider verliefen die Aufnahmen zum ersten Album suboptimal. Wir waren sehr unzufrieden mit dem Ergebnis. Wir trennten uns von Sven und mit Felix konnten wir einen würdigen Nachfolger finden. Felix überarbeitete seinerseits die Stücke mit Gesang und Synthies.  Mit dem Ergebnis der Aufnahmen waren wir dann mehr als zufrieden. Der Bass wird live von Lasse Lammert und während der Proben von Kim Kroll gespielt.

DT: Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen und welche Bedeutung hat er für jeden von euch?
Marcel:
Der Name kam von mir, weil ich wohl derjenige in der Band in der Band bin, der den größten Hang zu dunkleren Musikgeschichten hat. Ich mag halt das schöne, elegante, dunkle in dieser Welt.

DT: Euer Debütalbum „Dead Man´s Diary“ steht in den Startlöchern. Beschreibt uns das Werk in wenigen Worten.
Marcel:
Eine leidenschaftliches Werk im Rahmen eines Musikprojektes, welches sich in eine Band entwickelte. Hier treffen düstere, psychedelische Gedanken auf zuckersüße Melodien.

DT: Welche Message verbirgt sich in „Dead Man´s Diary“?
Felix:
Es geht darum, sich mit dem auseinanderzusetzen, was man erreicht bzw. nicht erreicht hat. Damit was man hinterlässt, wenn die Zeit gekommen ist. Jeder von uns erlebt sicher mal Momente, in denen es sich nicht so anfühlt, als würde es noch lange weitergehen, manchmal bricht eine gewisse Endzeit-Stimmung über einen herein. In diesen Augenblicken denkt man ganz besonders intensiv darüber nach, welchen Dingen man sich gerne mehr gewidmet hätte, welche Chancen man verpasst, nicht wahrgenommen, oder gänzlich ruiniert hat. Im Großen und Ganzen geht es um das verfrühte Ableben, in welchem Fall der Betroffene nicht die Möglichkeit hatte, zu dem Schluss zu kommen „Ja, ich bin soweit, ich kann gehen“.

DT: Das Artwork ist bereits sehr eindrucksvoll – schlicht und trotzdem aussagekräftig und einprägsam. Wer kam auf die Idee mit dem Totenkopf in der farblichen Variante und den Lilien?
Jan:
Die Idee des Totenkopfs mit der Lilie kam von Johann Man, einem sehr guten Freund von mir und Marcel. Leider verstarb er während der Arbeiten am Cover. Durch Felix lernten wir Chris Valentine kennen, der die Idee aufnahm und auf seine Art umgesetzt hat.

DT: Könnte man sagen, dass das Cover als Metapher für die Songs im Album gesehen werden kann?
Marcel:
Auf jeden Fall!

DT: Das erste Album ist immer etwas ganz Besonderes. Wie habt ihr die Zeit von der ersten Note bis zur fertigen CD erlebt?
Marcel:
Wir haben sehr lange an den Songs gearbeitet bis wir ins LSD Tonstudio zu Lasse gingen. Wir haben dort dann nach üblichen Verfahren aufgenommen. Leider waren wir mit den Keyboards und dem Gesang dermaßen unzufrieden, dass wir uns von dem damaligen Bandmitglied Sven einvernehmlich trennten. Felix hat diesen Part dann komplett übernommen, so dass wir ein Jahr später dann das fertige Produkt genießen konnten.

DT: Könnt ihr uns eine Anekdote aus der Recording-Zeit erzählen?
Jan:
Leider gibt es hier wirklich nichts  Spannendes zu erzählen. Wir haben morgens mit den Aufnahmen begonnen und am frühen Abend Schluss gemacht. Im LSD-Studio war alles sehr gut vorbereitet.

DT: Ihr seid fünf Musiker mit unterschiedlichen Talenten, Vorstellungen und Ideen. Wie schafft ihr es  Alles, gerade beim Musik schreiben, unter einen Hut zu bringen?
Marcel:
Da sich nahezu alle Musiker am Songwriting beteiligen, mussten wir uns etwas überlegen, um alle Bedürfnisse der Bandmitglieder zu berücksichtigen. Das ist bei uns nicht ganz einfach, weil die Musiker aus unterschiedlichen Gefilden kommen.  Die Songs haben meistens durch mich  eine Rohfassung. Jan nimmt sich das Stück dann rhythmisch vor. Das Grundgerüst geht dann an Felix der Keyboards und Gesang hinzufügt. Gelegentlich verändern sich dann auch nochmal Strukturen im Song, um diesen dann gesangdienlicher zu machen. Das Ganze funktioniert insgesamt natürlich nur mit sehr viel Toleranz. Hier ist Zurückhaltung gefragt. Aber das ist kein Problem bei uns. Die Egophasen haben wir da zum Glück alle schon hinter uns gelassen.

DT: Worauf habt ihr beim Songwriting euren Fokus gelegt?
Marcel:
Die Stücke sollten insgesamt eine zusammenhängende Geschichte erzählen und gleichermaßen auch jeder Song für sich ein abgeschlossenes Kapitel sein. Trotz allem würden wir das Gesamtwerk nicht als Konzeptalbum bezeichnen. Das macht sich auch dadurch bemerkbar, dass alle Stücke starke Refrains haben und es keine akustischen Überleitungen dazwischen gibt. Jedes Stück sollte für sich stark genug sein, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, aber insgesamt auch ein Teil der Story sein.  

DT: Im Studio etwas aufzunehmen ist das Eine, aber es live dann auch richtig rüber zu bringen das Andere. Freut ihr euch schon auf die Shows, um „Dead Man´s Diary“ zu präsentieren?
Marcel:
Natürlich. Da freuen wir uns riesig drauf. Wir bereiten uns akribisch vor und kommen da dann hoffentlich an die Aufnahmen ran. Wir nutzen dabei alle technischen Möglichkeiten und werden mit einer fitten Crew reisen.

DT: Worauf kann man sich bei einem eurer Konzerte freuen?
Jan:
Da wir bis jetzt in der aktuell bestehenden Formation noch keinen Gig zusammen gespielt haben, konzentrieren wir uns erst einmal auf unser Handwerk und proben viel . Wir versuchen so nahe wie möglich an die Studioaufnahmen heranzukommen.  

DT: Möchtet ihr abschließend noch ein paar Worte an die Leser von www.demotape-magazine.com richten?
Black Lilium:
Liebe Leser des mags, bleibt diesem mag treu! Es ist mit Herz und Seele gemacht. Falls ihr Gefallen an unserer Musik findet oder Fragen an uns habt, lasst es uns wissen.

 

geschrieben von: Saskia Scherf
(c) Photo: Andy Gruenitz