GAZTREA - "...als würde man versuchen, in Richtung des Horizonts zu schwimmen..."

Kategorie:  Interviews

Region:  West-, Mittel- und Südeuropa

Die Band um die es heute geht, hat ihre Einflüsse aus dem Metal, dem Pop und dem Visual Kei. Dennoch machen sie ihr eigenes Ding und lassen sich in keine Schublade stecken. Gerade erst haben GAZTREA am 28.06.2019 ihre zweite EP „INCANTATION“ veröffentlicht. Die vier Musiker haben uns Fragen zur Band, ihrer Musik und noch vielen anderen Themen beantwortet.

DT: Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt und uns ein paar Fragen beantwortet. Bitte stellt euch doch erstmal vor und nennt uns eure Position in der Band.
Kal:
Ich bin Kal und übernehme den Gesang in GAZTREA.
Sai: Ich bin Sai und spiele Gitarre.
Momo: Ich bin Rhythmusgitarrist und Backgroundsänger.
Cozmo: Ich spiele Bass.

DT: Euer Bandname lautet Gaztrea. Wie seid ihr auf den Namen gekommen und welche Bedeutung hat er?
Momo:
Uns war wichtig, einen Bandnamen zu haben, dessen Bedeutung uns nicht die ganze Zeit auf unserem Weg begleitet, sondern lediglich eine schöne Klangfarbe hat und relativ unverbraucht wirkt.
Sai: Außerdem gibt es bisher keine Nutzung des Wortes in dieser Schreibweise. Sucht man nach GAZTREA, findet man sofort uns. Klar gibt es einige Wege, aus denen man den Ursprung des Wortes ableiten kann, aber unser Ziel ist es, die Bedeutung des Wortes mit unserer Musik zu füllen.

DT: Eure Einflüsse liegen im Visual Kei, Metal und Pop. Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?
Kal:
Heavy, manchmal extravagant, aber vor allem eingängig. Für mich ist es persönlich vor allem das natürliche Zusammenspiel unserer jeweiligen Einflüsse, die unseren Sound ausmachen.
Momo: Ich denke vor allem als erfrischend. Ich denke, auch wenn eine düstere Grundstimmung für uns alle sehr vertraut ist, strahlt Gaztrea dazu immer noch eine sehr bunte und melodische Stimmung aus. Wir können dadurch unsere musikalischen Kompositionen in alle Richtungen ausstrecken, dass wir in ganz verschiedenen Richtungen musikalisch aufgehen und uns ergänzen.

DT: Gerade in der Visual Kei-Szene spielt die persönliche Selbstentfaltung eine große Rolle. Inwiefern hat euch diese persönliche Selbstentfaltung zu dem gemacht, wer ihr heute als Band seid?
Momo: Ich denke, die Selbstentfaltung in der VK-Szene ist ein Balanceakt, der nicht selten falsch interpretiert und ausgeführt wird. Mir hat Visual Kei beigebracht, visuelle Grenzen aufzubrechen. Sei es im Aspekt wo allgemein Gestaltung und Konzipierung anfangen darf, aber auch in der Vielzahl der Möglichkeiten, die ich interessant finde und umsetzen kann. Mittlerweile sehe ich mich aber eher als einen relativ kleinen Teil eines großen Gesamtprojektes und für mich ist es viel wichtiger, alle visuellen Aspekte glänzen zu sehen, als mich hier sehr auf meine Entfaltung zu konzentrieren.
Kal: Obwohl ich im Grunde von Beginn der VK-Fankultur in Europa an aktiver Teil der Szene war, habe ich mich nie optisch in diese eingefunden und sah immer recht unauffällig aus. Tatsächlich wollte ich mich aber immer in diesem Bereich ausleben, sodass GAZTREA quasi meine „Ausrede“ war, endlich alle Register zu ziehen und die Looks auszuprobieren, die mir schon lange vorschwebten. Deshalb habe ich vermutlich auch meistens die auffälligsten Outfits in der Band, haha.
Cozmo: Für mich persönliches spielte vor allem die optische Selbstentfaltung im Kontext des Musikmachens ursprünglich eine untergeordnete Rolle, da ich bis zu meinem Beitritt der Band nur wenig Kontakt zur Visual-Kei-Szene hatte. Mich hat von Anfang an die Musik überzeugt und ich wusste, dass ich mich aber gleichzeitig auch auf eine höhere Bedeutung optischer Konzepte einlassen muss, wenn ich GAZTREA beitrete. Mal fiel mir das anfangs schwieriger, mit der Zeit aber immer leichter. Inzwischen macht es mir Spaß, sehr alternative Looks auszuprobieren. Dabei lasse ich mich gerne von Gothic- oder Industriallooks inspirieren, wie man sie beispielsweise bei Lord of the Lost findet. Gerade die große Offenheit der Szene für Neues macht sie sehr bunt und abwechslungsreich.
Sai: Ich persönlich finde es schwierig Visual Kei und Selbstentfaltung gemeinsam zu betrachten. Mein Interesse an Visual Kei und die konzeptuelle Arbeit an GAZTREA haben mir mit Sicherheit die Möglichkeit gegeben, mich selbst zu entfalten und zu verstehen, was ich mit meinen Looks ausdrücken möchte. Die Menge an Inspiration, die man in dem Bereich findet ist dabei gefühlt grenzenlos.
Gleichzeitig ist Visual Kei aber auch ein Begriff, an den viele Leute bestimmte Erwartungen haben. Seien es bestimmte Frisuren, Outfits, Make-Up, Sprache der Musik oder sogar die Herkunft eines Musikers.
Ich denke also, dass Visual Kei einen großen Beitrag zu unserer Selbstentfaltung als Band leistet, aber sie nicht dadurch begrenzt ist.

DT: Am 28.06.2019 habt ihr eure zweite EP „INCANTATION“ veröffentlicht. Seid ihr vor dem Release sehr aufgeregt gewesen?
Momo: Und wie. Ein Release für eine junge Band wie uns ist immer noch mit sehr viel Neuem und Unerwartetem verbunden. Aber genau diese nicht vorhandene Abgebrühtheit beim ersten großen Release behält man vermutlich noch lange in Erinnerung.
Kal: Aufgeregt trifft es bei mir nicht wirklich, haha. Ich war zwar gespannt auf die Rückmeldungen, neige aber dazu, mit fertigen Songs sehr schnell abzuschließen und direkt an neuer Musik zu arbeiten, deshalb hielt sich die Aufregung in Grenzen.
Cozmo: Einerseits ist der Moment immer sehr spannend, wenn man zum ersten Mal die fertig gemixten Songs hört. Das ist besonders aufregend, da die Erwartungshaltung sehr hoch ist und man nicht enttäuscht werden will – schließlich hat man bis zu diesem Zeitpunkt viel Arbeit in die Produktion gesteckt. Der nächste aufregende Moment ist dann der, wenn man die ersten Rückmeldungen zur CD einholt und die ersten Reviews veröffentlicht werden. Auch wenn es wichtig ist, Kritik zu erhalten und aus ihr für die Zukunft zu lernen, hofft man natürlich auf positive Höreindrücke.

DT: Die EP umfasst sieben Songs. Wie würdet ihr diese Songs in drei Worten beschreiben?
Kal:
Dramatisch, melodisch und aggressiv. Natürlich nimmt man seine Songs immer anders wahr, jedoch würde ich schon sagen, dass jeder Song auch für sich stehen könnte.

DT: Das Cover wurde von MOMO gestaltet. Was ist die Idee hinter dem Cover?
Momo: Da unser Konzept unserer Single Feather & Void und Incantation stark ineinanderfließen, wollte ich gerne genau diese Basis in einem anderen Gestaltungsweg umsetzen. Für den Aufbau an sich war es mir wichtig, fließende Motive und Übergänge zu haben und getreu nach dem Ying-und-Yang-Prinzip für jeden Part eine Version auszuarbeiten.

DT: Wie lange habt ihr an der EP gearbeitet? Also von der ersten Idee bis zum Release?
Kal:
Ich schätze, dass es insgesamt ein Jahr gewesen sein wird. Das Ganze begann mit „Feather & Void“, welcher musikalisch und auch konzeptuell als Blaupause für „INCANTATION“ diente. Nachdem uns klar war, dass wir in eine zunehmend härtere Richtung gehen wollten, zeigte ich der Band meinen Entwurf für das visuelle Konzept für den Song und arbeitete dieses dann gemeinsam mit allen aus.
Sai: Die genaue Dauer ist außerdem schwer festzulegen, weil nicht jeder Song gleich viel Zeit für die Fertigstellung brauchte. Manche Songs waren nach zwei Tagen fertig, andere bekamen über Monate hinweg immer wieder kleine Anpassungen oder wurden erst kurz vor Recordingschluss geschrieben. Viel von unserer Zeit ist außerdem in die Planung und Umsetzung der Musikvideos, Artworks oder Fotos geflossen.

DT: Beschreibt uns doch wie bei euch das Songwriting so abläuft?
Sai: Mein Songwriting beginnt eigentlich immer mit Ausprobieren. Dabei habe ich bereits schon eine gewisse Vorstellung und Struktur im Kopf, wie der finale Song aussehen könnte. Diese Vorstellung fülle ich dann mit Riffs und erstelle eine Demo, die ich den anderen zeige, um Feedback einzuholen. Dabei kann es vorkommen, dass sich der Song im Anfangsstadium befindet und erst durch Gesangsideen weiterentwickelt wird, oder das Instrumental schon fast identisch mit der finalen Version ist.
Kal: Sobald Sai mir eine fertige Demo des Instrumentals eines neuen Songs präsentiert, arbeite ich verschiedene Vorschläge für Gesangsmelodien aus. Sobald diese dann abgesegnet sind, überlege ich mir noch passende Harmonien und Backgroundvocals.

DT: Gab es besondere Highlights, die ihr uns erzählen möchtet, aus der Studiozeit?
Momo: Ich fluche sehr häufig beim Aufnehmen, haha. Oder es ist einfach die Tatsache, in Sais Nähe zu sein – der Druck ist hoch, haha.
Sai: Alle unsere Songs werden von uns zu Hause aufgenommen und produziert, wodurch wir leider nie wirklich gemeinsame Studiozeit haben. Grundsätzlich muss man aber sagen, dass ich beim Aufnehmen wahrscheinlich der meist Gehasste bin, weil ich der bin, der am Ende die Qualitätskontrolle macht und die anderen erbarmungslos pusht, bis das Ergebnis so gut wie möglich ist. Ich habe dabei definitiv Spaß, haha.

DT: Euer letztes Musikvideo „Feather & Void“ ist ziemlich eindrucksvoll. Inwiefern spiegelt das Video den Song und auch euch als Band wider?
Kal:
Als ich mir das visuelle Konzept für den Song überlegt habe, war mir vor allem wichtig, den Text von „Feather & Void“ irgendwie umzusetzen. Die im Video zu sehende Handlung, der die beiden Figuren Feather und Void folgen spiegelt auch den Zwiespalt der textlichen Ebene wider. Es geht um den Versuch, mit der Vergangenheit abzuschließen, dass diese aber trotz allem nie ganz ausgelöscht werden kann. Deshalb kehrt am Ende des Videos auch Void von den Toten zurück. Optisch schwebte mir für das Video eine Mischung aus Blair Witch Project und alten D'espairsRay-Looks vor, haha.

DT: Was ist das für ein Gefühl, wenn man die musikalische Kreation in eine visuelle umwandeln kann?
Momo: Für mich auf jeden Fall etwas, wovor ich mich zunächst teilweise versteckt habe, da ich wusste, wie sehr ich mich darin vertiefen möchte, sobald sich dort mehr Wege auftun. Es gibt einfach immer etwas zu Papier zu bringen. Quasi als würde man versuchen, in Richtung des Horizonts zu schwimmen.
Kal: Ich finde, es ist ein sehr belohnendes Gefühl, wenn die eigene Vision schlussendlich greifbar wird. Die anderen Bandmitglieder verstehen meine Ideen meistens sehr schnell und umgekehrt, so dass die Ergebnisse oft erstaunlich nahe an das kommen, was wir uns in der Theorie vorgestellt haben.

DT: Zum Schluss dürft ihr noch einige Worte an die Leser von www.demotape-magazine.com richten.
Momo: Vielen Dank für's Lesen. Ich hoffe, das Interview hat euch gefallen und ihr verschafft euch vielleicht einen Eindruck von unseren Projekten und checkt unsere Homepage, Spotify und so weiter aus.
Cozmo: Wir hoffen, das Interview hat euch einen ersten Eindruck von GAZTREA vermittelt und eure Lust geweckt, euch unsere CD anzuhören, unsere Videos anzusehen oder uns persönlich das zu fragen, was aus eurer Sicht vielleicht noch offen geblieben ist. Alle nötigen Links hierzu findet ihr auf unserer Homepage www.gaztrea.com
Kal: Danke an alle, die das Interview gelesen haben und sich für GAZTREA interessieren! Der Support unserer Fans bedeutet uns sehr viel und wir freuen uns immer über Feedback und Nachrichten. Gebt „INCANTATION“ eine Chance und erzählt uns, welche Erfahrungen ihr beim Hören gemacht habt.
Sai: Vielen Dank für euer Interesse! Wir hoffen, euch jetzt und in Zukunft viel Freude mit unserer Musik bereiten zu können.

 

geschrieben von: Saskia Scherf
© Photo: GAZTREA