I PROMISED ONCE - "Es ist nie wirklich perfekt, aber man kann es versuchen"

Kategorie:  Interviews

Region:  Japan

Es ist wieder soweit: I PROMISED ONCE sind zurück! Mit neuen Songs, neuer Besetzung und mit gesteigerter Energie, wollen die Musiker den Backstage Club in München rocken. Wir haben uns mit den beiden deutsch stämmigen Mitgliedern Nils (Gitarre) und Flo (Gesang/Keyboard) im Backstagebereich des Clubs getroffen, um den beiden einige Fragen zu stellen. Von Aufregung oder Lampenfieber war kaum etwas zu spüren – im Gegenteil: Vorfreude und gute Laune zogen sich durch das gesamte Interview.

DT: Willkommen zurück! Wie geht’s Euch?
Nils: Dankeschön! Endlich wieder in Deutschland!
Flo: Danke.
Nils: So weit so gut. Es ist die Hälfte der Tour vorbei und bis jetzt gibt es keine großen Beschwerden. Keiner ist krank geworden, keiner hat sich verletzt.
Flo: Jeden Tag sind wir in einer anderen Stadt. Heute war die längste Fahrt von über 500km. Toi, toi, toi – bisher ist keinem was passiert.

DT: War das dann immer Euer Traum in den verschiedenen Ländern herum zu reisen und die Städte zu sehen? Wieviel Sightseeing könnt Ihr dort tatsächlich machen?
Flo: Nicht viel bis gar nicht.
Nils: Wirklich nicht viel. Manchmal haben wir 1-2 Stunden Zeit um Hauptattraktionen zu sehen. In Paris haben wir den Eiffelturm besichtigt und sind dann dort im Zentrum ein wenig herum gelaufen. Wir hatten in Amsterdam tatsächlich einen Tag frei und konnten uns dort die ganze Stadt in Ruhe anschauen. Bei der jetzigen Tour haben wir kaum ein Pausentag dazwischen. Bei der letzten Tour vor zwei Jahren, hatten wir in Prag einen day off. Aber dieses mal war das eher so Nebensache.

DT: „Die Musik ist der vollkommenste Typus der Kunst: Sie kann ihr letztes Geheimnis nie enthüllen.“ Ich finde das sehr passend gerade wenn es um Texte und Melodien und deren Bedeutung für einen selbst geht. Was bedeutet Euch Musik?
Flo: Das klingt jetzt vielleicht etwas nach Klischee, aber für mich ist Musik tatsächlich mein Leben. Jeden Tag bin ich von Musik umgeben. Ich mache selber Musik, ich produziere ja auch Musik. Ohne Musik kann ich nicht leben. Es ist quasi wie die Luft zum Atmen für mich.
Nils: Für mich ist Musik auch ein gutes Ventil, um Stress los zu werden, den man jeden Tag erlebt. Ich mach jetzt auch schon seit über 15 Jahren Musik als Songwriter, Gitarrist, usw. Auch als ich jung war, konnte ich mich in die Musik immer zurück ziehen und meinen eigenen Gedanken nach hängen. Auf der anderen Seite geht man dann auf Konzerte und kann so richtig abgehen und aus sich raus gehen. Eine gute Abwechslung zum normalen Leben eben.
Flo: Das fühlt sich auch richtig gut an, wenn man alles gegeben hat.
Nils: Stimmt, wenn man alles gegeben hat, ist das ein echt cooles Gefühl. Und es ist auch ein Weg etwas zu schaffen, das auch fortbesteht. Ich meine, wenn man Musik schreibt, die kennen die Leute in vierzig, fünfzig Jahren noch. Das ist der Traum eines jeden Musikers, in der Musik weiterzuleben, auch wenn du schon tot bist.
Flo: Genau, einmal etwas zu hinterlassen. Aber auch das Kreative an sich. Das ist für uns beide einfach notwendig.

DT: Gehen wir mal gedanklich zu Eurer Gründung zurück! Was waren Eure Träume als Ihr angefangen habt Musik zu machen?
Nils: Also, diese Band gibt es jetzt seit etwas fünf Jahren. Aber wir machen halt doch schon länger Musik. Was wir allerdings bei dieser Band gesagt haben, was der Punkt war ist: dass wir mit dieser Band echt alles geben und so schnell wie möglich aus Japan raus kommen. Und im Westen Konzerte machen. Wir haben uns richtig ins Zeug gelegt, um dann nach zwei/drei Jahren die erste Tour in Europa zu spielen. Das war ja auch wirklich das, was wir von Anfang an erreichen wollten. Wir sind zwar eine japanische Band, aber unser Motto heisst ja „borderless“ („grenzenlos“). Die Members sind aus verschiedenen Ländern und deswegen wollten wir auch global aktiv sein. Und unsere Musik global veröffentlichen, was ja bisher alles recht gut geklappt hat.

DT: Warum wolltet Ihr Musiker werden? War das schon immer Euer Traum?
Nils: Ich kann mir nicht vorstellen was anderes zu machen. Ich will mit Musik Geld verdienen und davon leben können. Ich habe auch schon in Firmen gearbeitet, aber die Musik ist es halt einfach das wirklich Wahre. Und ich kann viele Länder sehen, was ich sonst nicht schaffen würde.
Flo: Musik ist mein Leben und ich kann ohne sie nicht leben. Die Band ist der optimale Weg das zu verwirklichen.

DT: Inzwischen habt Ihr kleinere und größere Gigs gespielt und auch bekannten Größen auf die Finger schauen können. Was war ein absolutes Highlight für Euch?
Nils: für mich war „Loud Park“, das größte Metal Festival in Japan. Da haben Größen wie SCORPIONS, CHILDREN OF BODOM, KILLSWITCH ENGAGE, eine meiner Lieblingsgruppen, gespielt haben.
Flo: Sogar auf der gleichen Bühne..
Nils: Richtig, sogar auf der gleichen Bühne. Da waren wir wirklich geflashed. Du siehst die dann auch Backstage und bist echt nervös. Die machen das ja doch schon ne ganze Ecke länger als wir und da kriegst dann schon so ein bisschen Herzflattern. Das war für mich definitiv das größte Highlight.
Flo: Ja, für mich auch würde ich sagen. Das war das Größte, was wir bisher gespielt haben. Und mit den ganzen internationalen Legenden zu spielen war schon krass. Das ist eine rießen Motivation, auch eine große Ehre und auch Ehrfurcht.

DT: Pleiten, Pech und Pannen. Wenn Ihr live seid, passieren immer mal wieder Pannen. Was darf denn so überhaupt gar nicht passieren bei einem Konzert?
Nils: Mich persönlich regen immer technische Probleme sehr auf. Beim Soundcheck hast du schon Probleme mit den Kabeln, und dann brauchst ewig bis da was geht. Und mit dem Sound kann man sich auch immer streiten. Klar, man gewöhnt sich mit der Zeit dran. Hey, the show must go on! Technische Probleme treiben meinen Puls echt immer in die Höhe. Oder wenn während der Show ein Mikro ausfällt oder kaputt geht. Dieses mal haben wir auf Tour noch keine größeren Defekte gehabt.
Flo: Habe ich eigentlich echt fast nichts hinzuzufügen. Wir haben viele elektronische Sounds in den Songs, die vom Sampler gesteuert werden, und wenn es da Probleme gibt haben wir ein Problem.

DT: Wo seht Ihr Euch denn musikalisch in, sagen wir mal, 10 Jahren?
Nils: Wenn das so läuft wie wir uns das vorstellen, spielen wir 50% der Shows im Ausland und die andere Hälfte in Japan. Natürlich möchten wir in zehn Jahren auf den meisten Festivals vertreten sein so z.B. Wacken, wenn es das da noch gibt.
Flo: Wenn es Wacken nicht mehr gibt, gibt es glaub ich gar nichts mehr. *grinst*
Nils: Dann natürlich auch noch ein paar mehr Alben und auch der Bekanntheitsgrad sollte größer werden. Aber ganz wichtig viel auf Tour eben.

DT: Inwiefern habt Ihr Euch seit dem Beginn musikalisch und auch persönlich entwickelt?
Flo: Das kommt natürlich mit der Erfahrung, aber wir sind professioneller geworden und abgeklärter.
Nils: Wir trinken weniger...
Flo: Stimmt, wir trinken weniger, aber das gehört zur Professionalität, dass du für die Show einen klaren Kopf hast. Man kann dann auch während der Show entscheiden, doch noch mehr zu trinken.
Nils: Mehr geht immer, weniger nicht...
Flo: Richtig! Also Professionalität auf jeden Fall.
Nils: Unser Horizont hat sich auch erweitert. Wir haben was mit Hip-Hop-Leuten, mit klassischen Sängern gemacht. Das heißt unser Einfluss hat sich dementsprechend erweitert und es ergeben sich neue Ideen fürs Songwriting und das würden wir gerne fortführen.

DT: Man ist immer selbst sein größter Kritiker: Worin seht Ihr bei Euch persönlich den größten Verbesserungsbedarf?
Flo: Es gibt natürlich immer Feinheiten wie z.B. bei Konzerten, im musikalischen Bereich, wo man noch perfekter werden kann. Wir streben natürlich nach Perfektion und wollen auch die beste Show abliefern. Insofern sind wir da auch immer selbstkritisch und versuchen uns immer weiter zu verbessern.
Nils: Wir machen auch nach jedem Konzert ein Meeting, gucken was geklappt hat und was nicht so gut ging. Für das nächste Konzert verändern wir das dann. Schauen uns auch immer die Setlist an, was bei den Zuschauern gut ankam oder auch nicht und tauschen dann gegebenenfalls ein paar Lieder aus. Wir versuchen uns mindestens bei jeder Show um 3-5 % zu verbessern. Es gibt immer etwas, woran man arbeiten kann und an Feinheiten feilen kann. Es ist nie wirklich perfekt, aber man kann es versuchen.

DT: Ihr habt jetzt schon ein paar Shows gespielt. Wie war es für Euch wieder auf europäischem Boden?
Nils: Man hat sich recht schnell wieder dran gewöhnt. Der erste Tag war schon mit Nervosität verbunden, aber das ist recht schnell wieder verschwunden. Es ist halt super geil, Leute zu sehen, die wir vorher schon mal getroffen haben. Wir sind super motiviert, die Tour zu spielen und durchzuziehen. Wir wünschten die Tour würde noch länger gehen und hoffentlich wird es nächstes Mal auch länger.
Flo: Dieses mal sind wir auch in Ländern in denen wir letztes Mal nicht gespielt haben. Wir haben quasi die erste Hälfte der Tour in Holland, Belgien und Frankreich. Das ist für uns eine ganz neue Erfahrung. Es ist immer interessant: andere Länder, andere Sitten. Es ist toll zu sehen, wie die Leute so reagieren. Und jetzt im Heimatland zu sein, ist ganz angenehm. Es ist auf jeden Fall schön in Europa zu sein.

DT: Vor zwei Jahren wart Ihr das erste Mal hier, auch mit der gleichen Vorband „A Feast For Crows“. War es für Euch ein schönes Wiedersehen?
Nils: Ja, wir hatten noch gar nicht viel Gelegenheit mit ihnen zu reden. War aber schon mal schön ein paar bekannte Gesichter zu sehen. Ist halt schon cool, wenn Leute dabei sind, die man halt schon kennt. Macht halt auch Bock wenn man mit denen dann noch ein paar Bierchen zusammen trinkt. Wir haben vor zwei Jahren viel gequatscht und dann tauschen wir uns noch aus was so alles passiert ist. Wir freuen uns auf jeden Fall die Jungs wieder zu sehen.

DT: In wenigen Minuten geht’s auf die Bühne! Habt Ihr einen bestimmten Wunsch für heute Abend?
Flo: Es wäre auf jeden Fall schön, wenn die Leute aus sich heraus kommen würden und mitmachen würden. Das haben wir erlebt in Frankreich, dass die Leute nicht schüchtern sind, aus sich herausgehen und mitmachen. Das ist immer das Beste, wenn man sieht, dass sie die Show genießen.
Nils: Vor zwei Jahren in München war es ne ziemliche Party – deswegen wäre es geil, wenn das heute auch wieder so klappen würde oder sogar noch besser wird.

DT: Abschließend haben wir noch etwas besonderes: Ihr dürft Euch einen Wunsch überlegen, uns den sagen, und dann schauen wir mal, ob er sich bis zu unserem nächsten Interview verwirklicht hat :)
Flo: Ein ganz pragmatisches Ziel: nächstes Mal spielen wir Halle.
Nils: Hoffentlich haben wir bis zur nächsten Tour dann ein neues Album. Wir werden jetzt dann demnächst anfangen und dann wäre es cool, wenn wir da dann schon ein nächstes Album hätten.

 

geschrieben von: Saskia Scherf
© Photo: Saskia Scherf