Mom's day - 08. Oktober 2011 - Balingen

Mom's Day Konzertbild

Kategorie:  Konzertberichte

Region:  West-, Mittel- und Südeuropa

Am Abend des 08. Oktobers 2011 war es wieder soweit. Mom´s day luden zu einem spontan arrangierten Gig nach Balingen in den Sonnenkeller ein. Trotz des schlechten Wetters war das kleine Kellergewölbe recht schnell gefüllt und die Stimmung im wahrsten Sinne des Wortes „sonnig“. Und nicht nur das: wieder einmal war es sehr erstaunlich diese Band auf der Bühne zu beobachten. Die daraus resultierende Erkenntnis „Sie sind definitiv nicht wie andere Gruppen“, begleitete den treuen Konzertbesucher den ganzen Abend und sogar noch bis nach Hause.

Balingen ist eine „kleine“ Stadt mitten im Herzen von Baden-Württemberg. In der Nähe von Albstadt gelegen, hat man hier nicht nur eine schöne Umgebung die bestaunt werden kann, sondern auch jede Menge Möglichkeiten die Seele auf alle erdenklichen Arten baumeln zu lassen. Und eine dieser Variationen ist der Besuch eines Konzertes der vierköpfigen Band Mom´s day.

Doch wer sind diese jungen Herren? Das ist ganz einfach erklärt für alle, die nichts mit dem Namen oder ihrer Musik anfangen können. Mom´s day gründeten sich 2001 am Muttertag. Seitdem tourten sie immer wieder durch Deutschland, reisten auch schon zwei mal für einige Konzerte nach Indonesien.

Eigentlich fühlt es sich nicht wie ein Konzertbesuch an, wenn man den Sonnenkeller betritt. Denn die Atmosphäre weist absolut nicht die typischen Merkmale eines sonst üblichen Gigs auf. Zum Einen fehlen die wartenden Massen von Fans, die sich schon Stunden vor dem eigentlichen Beginn vor der Halle oder dem Club tummeln. Zum Anderen kann das Besucherauge keine Scharen an Fotografen und Presseteams ausmachen. Und die Kleidung ist heute auch eher Ausgeh tauglich, als für ein Konzert gedacht. Doch das alles bedeutet nicht, dass man dem Ganzen gleich einen negativen Touch verpassen muss. Immerhin ist ein Auftritt im kleinen Kreise ist ganz klar persönlicher und hinterlässt einen bleibenderen Eindruck.

Ganz so wenige Besucher wie zu Beginn ausgespäht sind es dann doch nicht. Mit round about 50 Anwesenden, können die Mannen von Mom´s day durchaus zufrieden sein. Immerhin ist diese Veranstaltung für sie und ihre Fans mehr als nur spontan. Noch wenige Stunden zuvor sahen die Planungen beider Seiten für diesen Abend durchaus anders aus – bis DER Anruf kam. Und schon wurden alle Ideen und Abmachungen über den Haufen geworfen, die Sachen für einen Gig gepackt und nach Balingen getuckert.

Kaum hat sich die Vorband Inner Change von der Bühne verabschiedet, stürmen auch schon zwei Techniker herbei, bauen mit der Band zusammen das Equipment ab. Kabel werden säuberlich in den vorgesehen Cases verstaut, Verstärker und Instrumente in den Backstagebereich getragen bzw. gleich im Auto verstaut. Und die Utensilien für Mom´s day herbei geschafft.

Während Benni, Anton, Marcus und Jan ihre Instrumente eigenhändig aufbauen, schlürft der Rest der Wartenden – die Fans – ein Glas Cola, trinkt gemütlich sein erstes Bier für diesen Abend oder schwatzt munter mit seinem Nebenmann. Schmunzelnd beobachtet man die Rockertruppe, wie sie ihre Instrumente verkabeln, einen letzten kleinen Soundcheck durchführen, Mikros einstellen und mit dem Techniker Rücksprache halten. Und der ein oder andere kann sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen, denn wie sagt ein Sprichwort so schön? „Es ist angenehmer anderen bei der Arbeit zuzusehen, als selbst arbeiten zu müssen!“.

Irgendwie geht die Überleitung vom Soundcheck ins Konzert ein wenig in dem Treiben, das mittlerweile vor der Bühne herrscht, unter. Doch das tut der ganzen Sache in keinster Form einen Abbruch. Im Gegenteil! Fast kann man den Eindruck bekommen, dass die Anwesenden die verpassten Sekunden mit vollem Einsatz wieder zurückholen möchten.

Noch mit ein wenig mehr Abstand zur Bühne stehen alle herum, bewegen sich zögerlich im Takt der Musik und applaudieren verhalten nach dem ersten Titel. Allerdings haben sie hierbei ihre Rechnung ohne Sänger und Gitarristen Benni und Anton gemacht. Denn den beiden reicht ein einfaches Kopfnicken und ein wenig klatschen absolut nicht. Durch freche Sprüche und wildem Armgewedel versuchen sie die Masse dazu zu bringen ein paar wenige Schritte weiter nach vorne zu treten.

Mit „Liebeskummer ´96“ ziehen Mom´s day einen neueren Song, genauer gesagt, einen Titel ihren aktuellen Platte „Trittbrettfahrer“ aus dem Hut. Und schon beginnt das Eis zwischen den beiden Parteien ein wenig zu schmelzen. Während Benni und Anton gemeinsam den Text mit Humor wiedergeben, rockt Marcus am Bass auf seinem kleinen Teil der Bühne. Mit einigen lustigen Grimassen schneidenden, nicht stillsitzendem Schlagzeuger namens Jan ist die Truppe perfekt.

Mittlerweile kann man das zuerst lustlose herumgehopse der Fans, sogar schon als tanzen und feiern identifizieren, was natürlich nicht zuletzt auf die gute Animation von der Bühne zurückzuführen ist. Ein kleines Grüppchen entschließt sich sogar dazu, einen kleinen Pogokreis zu beginnen.

Die Überleitungen zwischen den Songs sind wahrscheinlich eines der typischen Merkmale, wenn man Mom´s day live erlebt. Manch bekanntere Band kann sich eine Scheibe bei den vier Mannen abschneiden. Stur die Setlist runter spielen, ohne Kontakt zum Publikum ist hier nicht angesagt. Witzige Sprüche sollen die immer noch ein wenig weit von der Bühne Stehenden animieren, doch näher an die Stage heran zu kommen. Nach eigener Aussage „Wir beißen schon nicht!“, wird die Distanz bis auf einige Zentimeter sogar minimiert.

Für grinsende Gesichter sorgen die Diskussionen und Gespräche der Musiker untereinander. Am amüsantesten sind die immer wiederkommenden Einwürfe von Drummer Jan, der wie alle Schlagzeuger das Glück hat, in den hinteren Teil der Bühne verbannt worden zu sein. Denn wie hat Gitarrist Anton es so schön formuliert? „Wir möchten unseren Schlagzeuger nur vor neugierigen Blicken schützen...“. Somit muss der arme Jan sich auf andere Art und Weise Gehör verschaffen. Und wie erreicht man das am Besten? Natürlich! Mit Quatsch machen und Späße reißen. Unterhaltsam sind diese Kommunikationen für alle Anwesenden allemal.

Doch leider ist nach nur knappen 80 Minuten der Spaß vorbei. Allerdings konnten Benni, Anton, Marcus und Jan ihre Fans noch mit einigen Klassikern aus ihrer mittlerweile zehnjährigen Karriere erfreuen. Einer dieser Titel ist z.B. „Pogo im Weltsicherheizrat“.

Während die Gitarren das Intro einläuten, steigen nacheinander Schlagzeug und Bass ein. Einmal wird der Refrain gespielt und dann geht’s schon in die Vollen. Hört man dieses Lied zum ersten Mal klingt der Anfang ein wenig ernst. Doch sobald die Lyrics gesungen werden, kann man wieder, wie so oft an diesem Abend einfach nur schmunzeln. Denn die Texte sind bei genauerem hinhören mit viel Witz, Humor und auch ein wenig Kritik gespickt. Allerdings immer nur so viel, dass der Spaß im Vordergrund steht.

Mit einem beeindruckenden Basssolo rockt Marcus den Sonnenkeller. Seine Finger fliegen gerade zu nur so über die Saiten seines Instrumentes. Bei den beiden Gitarristen frägt man sich manchmal, wie das nur gehen kann, dass sie sich nicht verspielen. Denn es ist schon eine Leistung zu singen, die Saiten des Instrumentes zu treffen und dann auch noch die Menge zu unterhalten. Doch egal wen der vier Musiker man genauer betrachtet, für alle scheint es kein Problem darzustellen.

Aber letztlich ist irgendwann einmal ein Ende erreicht. Mit verabschiedenden Worten, dem Versprechen wieder einmal im Sonnenkeller aufzutreten und vielen Danksagungen verschwinden Mom´s day schließlich von der Bühne. Lassen wir den Abend doch nochmals vor unserem inneren Auge ablaufen. Ein mehr als nur spontanes Konzert, gute Laune und Spaß, gespickt mit einer guten Prise deutschem Punkrock. So sollte ein Gig öfter ablaufen. Mom´s day haben bewiesen, dass nicht alles immer gleich Kommerz sein muss, um wirklich gut zu sein. Auf die kleinen Dinge kommt es an. Und diese vier jungen Herren haben das genau richtig erkannt und in ihrer aussagekräftigen Musik umgesetzt. Wir können also gespannt sein, was ihnen noch so alles einfällt. In diesem Sinne bleibt eigentlich nur noch zu sagen: Das nächste Mom´s day Konzert kann kommen!

  • Benny und Marcus
  • Anton an Gitarre
  • Benny an Gitarre
  • Jan an den Drums
  • Marcus am Bass