The Rasmus - 14.05.2012 - München

Kategorie:  Konzertberichte

Region:  West-, Mittel- und Südeuropa

 

Aus dem hohen Norden und den kalten Steppen Finnlands wehte ein eisiger Wind nach Bayern herunter. Zwar ist es nicht so frisch, dass man seine dicken Winterjacken wieder ausgraben sollte, aber ohne Jacke rausgehen war dann doch eher keine so gute Idee. Und auch wenn es nicht unbedingt sehr angenehm ist in der Kälte zu stehen und auf den Einlass zu warten, so konnte man sich doch über das Geschenk freuen, das uns mit den finnischen Winden nach Bayern geflogen wurde.

Aber welche Überraschung ist dies nun? Es handelt sich um junge Musiker, die ihren großen Durchbruch 2003 mit dem Hit „In the Shadows“ feiern konnten. Seit mittlerweile mehr als zehn Jahren stehen sie auf den Bühnen aller möglichen Hallen und unterhalten die Menschen mit ihrer Musik. Ihr Frontman trägt gerne Federn in den Haaren. Die Rede ist natürlich von Lauri, Eero, Pauli und Aki. Zusammengefasst auch bekannt als: The Rasmus.

 

Pünktlich um 19 Uhr öffneten sich die Tore zum Backstage Werk. Durch die Fanreihen ging ein erfreuter Aufschrei und trotz aller Erwartungen, gab es kein Geschubse oder Gedränge. Gesittet und schön einer nach dem anderen wurde in die große Halle marschiert. Dass gleich neben dem Eingang der Merchandisestand aufgebaut wurde, hielt einige dann doch davon ab sich gleich die besten Plätze zu sichern. Auch das die Vorband sich neben dem The Rasmus Merchandise mit ihren Shirts und Pullis nieder gelassen hatte, war für die Geldbörsen nicht sehr förderlich. Die Auswahl war wie immer wahnsinnig groß und die Entscheidung mehr als schwierig. Doch letztendlich siegreich und mit glücklichen Augen marschierten die Shoppingfanatiker in die Tiefen des Werkes hinein.

Betritt man diese Halle, fühlt man sich erst einmal ein wenig erschlagen. Direkt voraus kann man im Hintergrund die sehr große Bühne erkennen, vor der sich schon viele The Rasmus Anhänger tummelten. Danach folgt eine weite Fläche, die rechts und links durch eine Stufe abgegrenzt wird. Sozusagen kann man das Backstage Werk in drei Ebenen einteilen. Ganz unten ist die „Tanzfläche“. Dort quetschten sich die Hardcorefans und hatten ihren Spaß. Für all Jene, die sich dennoch das Spektakel von Nahem ansehen möchten – sich allerdings nicht erdrücken lassen wollten -, bot bereits erwähnte Stufe einen sicheren Standplatz. Auf eben dieser ist zwar im hinteren Teil, dennoch sehr zentral gelegen, das Mischpult für Ton und Licht angesiedelt. Und zu guter letzt die obere Ebene. Mit zwei großen Tribünen bestückt kann sich der Konzertbesucher hier niederlassen, stehen oder auch sitzen und dem Geschehen in aller Ruhe folgen. Außerdem ist für die älteren Besucher auch die Bar nicht sehr weit entfernt.

 

Ließ man den Blick durch den Raum gleiten konnte man wirklich behaupten, dass The Rasmus eine sehr große Bandbreite an Fans ihr Eigen nennen können. Von den Teenies mit zarten 13 Jahren, natürlich in Begleitung Erwachsener, bis hin zu den Herrschaften mittleren Alters war wirklich alles vertreten. Und diese Halle ist wirklich sehr groß. Bis auf einige wenige Plätze war sie am heutigen Abend auch so gut wie ausverkauft. Die Stimmung war noch sehr entspannt, es wurder viel geplaudert und gelacht.

Um 20 Uhr betraten schließlich die Jungs von In Me die Bühne. Diese sind eine englische Rockband, die sich als Vorhut von The Rasmus bezeichnen darf und die ehrenvolle Aufgabe hatte, für Stimmung zu sorgen. Zunächst ein wenig verhalten, aber mit der Zeit doch recht angetan feierten die Fans schließlich mit den jungen Briten. Mit ein wenig Smalltalk, den von den jüngeren Anwesenden kaum einer verstand, unterhielten sich die Musiker mit der Menge. Aber trotz all der Ausgelassenheit rockten In Me ca. 45 Minuten lang die Bühne. Mit einer kleinen Danksagung an die Fans für ihre Unterstützung und dem Wunsch nach einem schönen Abend mit The Rasmus verließen sie aber auch schon wieder die Bühne. Nun hieß es wieder einmal geduldig warten auf die eigentlich Stars des Abends.

 

Um Punkt 21 Uhr war es schließlich soweit: Nacheinander betraten Aki, Eero, Pauli und Lauri die Bühne. Ohne große Umschweife wurde sofort mit dem ersten Titel „Stranger“ begonnen. Ein kleines Schmunzeln konnte sich wohl kaum einer verkneifen, denn die Outfits der Band sind doch teilweise sehr interessant. Während Aki und Pauli sich in Jeans und Shirts zeigten, wanderte Eero mit einer sehr bequemen extrem weiten Hose über die Bühne. Doch der Vocal toppt alles: mit einer schwarzen Jogginghose, einem Pulli und gelben Gummistiefeln stand er dort und sang mit voller Stimme die Lyrics. Mit einer kleinen Begrüßung wurde sich nur kurz aufgehalten, weshalb kurzerhand auf viele Worte verzichtet wurde.

„Let´s do some excercises!“, schallte Lauris Stimme durch das Werk. Kaum hat er diesen Satz beendet erklingen schon die ersten Töne von „First day of my life“. Gefolgt von „Time to burn“ und „Justify“ sprangen The Rasmus doch sehr in ihrer Diskographie hin und her. Mit kleinen Anekdoten ihres Tages und Scherzen überbrücken Lauri und Eero immer wieder die kleinen Kunstpausen zwischen den Titeln. Doch auch der Schlagzeuger wird nicht verschont. So wird aus seinem Namen „Aki“ kurzerhand einfach mal „Achmed“ gebastelt und er als türkischer Landsmann verkauft. Mit solchen kleinen Späßen lockert sich immer mehr die Stimmung und die Beziehungen zwischen Band und Publikum stärken sich.

Nicht nur die Bühnenpräsenz und das musikalische Können dieser Gruppe ist sehenswert und einen Besuch wert. Auch für den visuellen Reiz hatten sich The Rasmus etwas einfallen lassen. Hinter dem Drumset wurde eine Leinwand gespannt auf der zu jedem Song ein Video abgespielt wurde. Jedoch niemals das Gleiche zweimal. Nein, einmal kann man Schmetterlinge fliegen sehen, einmal Kampfflugzeuge, einmal schwarze Federn, Lametta, Teile von Videos zu Singleauskopplungen und viele andere Motive mehr.

Für ihre Fans lassen sich The Rasmus immer wieder etwas neues einfallen. So wurden etwa ab der Hälfte des Konzertes vier Stühle auf die Bühne gestellt. Mit Akustikgitarren bewaffnet kehrten Lauri und Pauli zuerst auf die Stage zurück. Aki mit einem kleinen Tamburin in der Hand und Eero folgten. Allen Anwesenden war klar, dass das nun eine kleine Akustiksession werden würde und dementsprechend freudig waren die Erwartungen. Mit dem ersten Titel „Not like the other girls“ wurde dieser Teil eröffnet. Gebannt hingen die Fans mit ihren Blicken an den Lippen Lauris. Einige kramten ihre Feuerzeuge und Knicklichter heraus, hielten sie in die Luft oder schwangen sie zum Takt der Musik hin und her.

Den zweiten Titel durften sich die Fans aussuchen. Einstimmig wurde beschlossen einen Titel zu hören, den Lauri für seine Heimat geschrieben hatte: „Days“. Auf keinem Album zu finden und dennoch konnten die eingefleischten Anhänger der Formation den Text. Mit dem letzten Song „Sail away“ ging diese schöne aber leider viel zu kurze Einlage von The Rasmus zu Ende.

Das Zusammenspiel dieser Gruppe ist wirklich mehr als beeindruckend. Man bekam den Eindruck, dass Lauri, Eero, Pauli und Aki nicht nur auf der Bühne, sondern auch außerhalb ein starkes Team waren. Die Harmonie, die diese Band auf der Bühne ausstrahlte ging auch auf die Anwesenden in der Halle über.

Kaum war alles wieder abgebaut ging die rasante Fahrt durch die musikalischen Jahre von The Rasmus auch schon weiter. Mit einem Track vom neuen Album „End of a Story“, „In my life“, „Falling“ und ihrem Hit „In the Shadows“ rockten die Finnen bis zum Ende. Für einige wenige Minuten verschwanden sie schließlich von der Bühne, nur um nochmals für drei Songs zurückzukehren. Aber danach war es dann leider wirklich komplett vorbei mit den Finnen aus Helsinki. Gemeinsam traten sie an den Rand der Bühne, legten einander die Arme um die Schultern und verbeugten sich tief. Der Jubel der Fans kannte keine Grenzen mehr und als dann noch einige Pleks, Wasserflaschen und Drumsticks ihren Weg zu neuen Besitzern fanden, war die Freude kaum noch zu bändigen.

 

Zusammenfassend kann man wirklich sagen, dass den skandinavischen Winden Dank gebührt, denn ohne ihre Hilfe hätten sich The Rasmus nicht in die bayerische Metropole verirrt. Mit einer wirklich mehr als gelungenen Show können die vier Finnen sich nun weiter auf Tour begeben und sich sicher sein, dass ihre Fans in München auf sie warten werden.

 

 

Setlist
1.Stranger
2.No Fear
3.First Day of my Life
4.Time to burn
5.Justify
6.You don´t see me
7.Friends don´t do like that
8.Ghost of love
9.Guilty
10.Save me once again
11.Immortal
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-Akkustik-
12.Not like the other girls
13.Days
14.Sail away
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15.End of a story
16.In my life
17.Falling
18.In the Shadows
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-Encore-
19.Sky
20.Living in a world without you
21.I´m a mess