SCHATTENMANN - "..aber am Ende wäre perfekt langweilig"

Kategorie:  Interviews

Region:  West-, Mittel- und Südeuropa

Ein Sprichwort lautet: „Das Schattenreich ist das Paradies der Phantasten.“. Tiefgründig und sehr passend für unser Interview mit Frank Herzig, Frontmann und Sänger, von SCHATTENMANN. Er nahm sich einige Minuten Zeit, um mit uns über die Band, das erste Album, anstehende Shows, und viele weitere Dinge zu sprechen.

DT: Danke, für das Interview. Lass uns doch gleich mal direkt starten: Hast Du dir Gedanken über die Definition von „SCHATTENMANN“ gemacht?
Frank:
Oh ja, natürlich! (lacht) Das fängt ja schon bei der Namensfindung an, dass man sich über die Definition seines Bandnamens Gedanken machen sollte.

DT: Wir haben eine mögliche Definition gefunden, die lautet: „jemand, der bei etwas eine nicht unwichtige Rolle spielt, sich dabei aber stets im Hintergrund hält“.
Frank:
Das ist eine Definition. Es gibt ganz verschiedene Definitionen des Wortes. Eine ist z.B. in der Frauenwelt, wenn es um einen Mann geht, mit dem sie eine unvergessliche Affäre hatte, selbst wenn das schon ewig lange vorbei ist, ist das jemand der ihr immer nach hängt. Mit dem vergleicht sie immer auch andere Männer. Der „Schattenmann“ ist also sehr vielseitig.

DT: Was war dein Hauptgrund, weshalb Du SCHATTENMANN sozusagen aus dem Schatten ins Licht geholt hast?
Frank: Ich finde den Namen an sich total schön, stimmig und auch auf einen selbst bezogen. Ich bin der Meinung, dass jeder von uns einen „Schattenmann“ hat. Eine verborgene Seite, die in uns wohnt. Wir fördern mit unserer Musik Dinge zu Tage, die im Schatten sind oder im Verborgenen liegen und für mich war das so sinnbildlich, dass der „Schattenmann“ hervor tritt. Das ist auch in unserer Bühnenshow mit drin. Wir stehen auf der Bühne, erzählen unsere Geschichte ganz normal, sozusagen. Es geht das Licht aus und der „Schattenmann“ tritt in Form unserer UV-Zeichnung hervor. Es ist auch etwas unsichtbares, das nur im Schatten sichtbar wird. Und so kam dann eines zum Anderen: für uns ist das alles sehr stimmig, inhaltlich und Message mäßig und passt sehr gut zusammen.

DT: Du sprichst gerade Euer UV-Make-Up an. Wie seid Ihr auf die Idee dafür gekommen?
Frank: Gute Frage! Da kam wirklich eines zum Anderen. Das war ein sehr kreativer Prozess ähnlich dem Songwriting. Mit dem Namen kam dann auch die Idee und das ging alles ineinander einher. Ich kann dir da nun keinen genauen Zeitpunkt sagen, so wie „als ich mit der Gabel in die Nudel stach, kam mir die Idee“ (lacht). War dann aber natürlich im Umkehrschluss auch viel Arbeit. Wenn du so ne Idee hast, muss man natürlich auch schauen wie man das am Besten umsetzen kann. Wo bekommt man das Make-Up her? wie kann man das umsetzen? Wie sieht das aus? Vorallem kriegt man das auch in jeder Show mit den entsprechenden Lampen sichtbar? usw. Sagen wir mal, das war dann sozusagen eine Schnapsidee, die uns vor viele technisch umsetzbare Herausforderungen gestellt hat.

DT: Wenn Du jetzt mal ein Jahr zurück denkst: Hättest Du dir damals gedacht, dass es so gut laufen würde für Euch als Band?
Frank: Nein, also wie wir vor bisschen was vor über einem Jahr unser erstes Konzert in Hamburg gespielt haben, hatten wir niemals dran gedacht, dass es so läuft wie es läuft. Das wäre auch absolut vermessen gewesen. Wir sind mit ganz wenigen Erwartungen an die Geschichte ran. Wir haben insgeheim gehofft, dass wir bei der ersten Tour, den Leuten überhaupt gefällt was wir da machen. Das war für uns auch ein Faktor, den wir gar nicht einschätzen konnte. Das mit dem UV-MAKE-UP war neu, das man entweder mögen kann oder es absolut scheiße finden. Es war auch etwas, das es so in diesem NDH-Bereich so nicht gab. Unsere Songs sind dann doch anders und nicht wie der Rest. Die Aufregung war groß, wie das dann beim Publikum ankommen würde oder wie das akzeptiert werden würde, auch neben meinem damaligen Dasein bei Stahlmann. Hätte alles passieren können. Wir waren also total glücklich, dass das Konzert in Hamburg so gut lief. Wir wollten dann erstmal weiter machen und schauen, dass wir das Album bringen. Aber diese Dimensionen noch den Umfang, den das Projekt nun angenommen hat, war weder gezielt gewählt, noch so abzuschätzen. Wir machen einfach weiterhin das worauf wir Bock haben, und das ist unser Traum. Wir sind dafür sehr dankbar und wir wollen versuchen das Beste draus zu machen. Und auch die Chancen, die sich nun so aufgetan haben, für die sind wir als Band wirklich sehr dankbar und sehen das auch als Privileg.

DT: Das Album „Licht an“ wurde von Dir produziert. Was macht Dir persönlich am meisten Spaß: Texte schreiben, Musik komponieren oder im Studio alles am Mischpult einspielen?
Frank: Am meisten Spaß macht es mir kreativ zu sein und auf der Bühne zu stehen. Da kann ich gar nicht so wirklich unterscheiden, ob es nun Texte schreiben oder Musik komponieren ist. Es gibt in jedem Lied auch mal Passagen, an denen man nicht weiter kommt und dann legt man es zur Seite und macht wo anders weiter. Auch das mixen ist etwas ganz tolles, wenn man während der Arbeit dann immer mal wieder zu den Ursprüngen zurück geht und hört wie sich ein Song entwickelt. Das ist wirklich unglaublich schön. Aber für mich gibt’s da keine Unterscheidung und es macht mir alles rießen Spaß.

DT: So ein Album durchläuft auch immer einen Prozess. Gab es Dinge bei denen Ihr nochmals in Euch gegangen seid und sie dann anders gemacht habt?
Frank: Ja, was heißt ganz anders. Du hörst einen Song und bist voll im kreativen Schaffen. Am nächsten Tag hörst dir das nochmal an und denkst dir dann: „Auf welchem Film war ich da denn?!“ Es ist aber auch gut, wenn man nen Song nochmal ein paar Tage weglegt und ihn sich dann anhört. Man stellt immer wieder was fest, geht dann erneut drüber, hat neue Ideen und am Ende macht und tu man. Am Ende stellt man fest, dass es dem Song von letzter Woche ähnelt. Oder so ähnlich. Es ist tatsächlich eine Achterbahnfahrt.

DT: In den Songtexten greifst Du die unterschiedlichsten Themen auf. Gibt es ein Tabuthema bei dir?
Frank: Ja, für mich gibt es Tabuthemen. Also ich möchte schon über mein Erlebtes sprechen, aber ich bin keiner, der Namen zitiert oder so schreibt, dass sich jemand darin wiedererkennen kann. Ich schreib schon sehr ehrlich und nehme kein Blatt vor den Mund. Ich finde einfach, man sollte niemanden bloß stellen. Wenn ich merke, ich lasse zu tief in mein Privates blicken, d.h. wenn ich merke, dass es etwas ist, womit ich irgendwann nicht mehr d´accord gehe, weil ich anders zum Thema stehe, etc. dann möchte ich das auch nicht.

DT: „Zahn der Zeit“ ist ein sehr tiefgründiger Track auf dem Album. Mit unter eine der wenigen „Balladen“. Wie denkst Du über das Thema älter werden?
Frank: Gemischt irgendwie. Das versuche ich auch in dem Song rüberzubringen. Es geht ja darum, dass du eigentlich unschuldig und naiv geboren wirst und dich die Zeit Erfahrung lehrt. Und das man auch viel mit nimmt. Vergangene Zeit hat auch was positives. Aber es ist natürlich auch so, dass einem in vielen Situationen nicht nur positiv bewusst wird, das es eine tolle Zeit war. Sondern auch so „verdammt die gemeinsame Zeit ist vorbei“. Jeder von uns hat schon schmerzliche Verluste hinnehmen müssen. Natürlich ist jetzt bei „Zahn der Zeit“ der Schmerz mehr im Fokus, aber ich möchte aber auch nicht, dass Diejenigen, die den Song hören vergessen, dass sie ihre Zeit nutzen sollen. „Es bleibt noch Zeit“ ist für mich auch so ein Schlüsselsatz der aussagt, dass man seine Zeit sinnvoll nutzen sollte.

DT: Glaubst Du, dass die Gesellschaft zu wenig Respekt vor dem Alter hat?
Frank: Also, da ich ein Mensch bin, der jedem den gleichen Respekt entgegen bringt, möchte ich auch, dass man mir gegenüber auch respektvoll ist. Von daher kann ich nur für mich sprechen: ich bin und möchte auch immer jedem respektvoll gegenüber sein.

DT: Auf dem Album gibt es „Gekentert“ in zwei Versionen. Warum gerade das Lied?
Frank: Wenn du jetzt z.B. „Zahn der Zeit“ hernimmst, das würde unplugged jetzt nicht so den Sinn machen. Das ist halt so wie sie ist die Nummer, das funktioniert unplugged nicht. Und „Gekentert“ ist so ein Ding, der ist rockig und geht echt gut vor, hat einen super emotionalen Text. Ich hab den mal auf ner Akkustikgitarre gespielt und fand das dann auch sehr schön.

DT: Songs beweisen sich meistens erst live, ob sie die Fans erreichen können, oder nicht. Gibt es/Gab es Titel, bei denen Du dir nicht sicher warst wie sie ankommen würden?
Frank: Das ist jedes mal ein Pokerspiel. Wir sprechen ja generell von Geschmack, Geschmackssache, Kunst, Musik, etc. und man kann sich als Künstler nie sicher sein, dass etwas beim Publikum Anklang findet. Natürlich hast du immer Leute, die etwas nicht mögen und auch immer einen finden, der den Song mag. Aber sicher sein kannst du dir nie, weil ich denke, wenn jemand die Fähigkeit hat sich sicher zu sein, dass ein Song ankommt, der würde ja nur noch Hits schreiben. Es gibt Menschen, die ein wahnsinniges Händchen dafür haben, dass ihre Musik vielen Leuten gefällt. Aber ich glaube zuversichtlich sind die auch nicht. Und ich glaube auch, dass es dir bis zu nem bestimmten Punkt auch egal sein muss, was andere denken, sonst würden viele gute Songs nicht existieren.

DT: Worauf freut Ihr Euch vor einer Tour am meisten?
Frank: Einfach wieder auf Tour zu sein, Konzerte zu spielen und mit den Jungs eine geile Zeit zu haben.

DT: Was ist größer: die Vorfreude oder die Nervosität? Bist Du überhaupt noch aufgeregt?
Frank: Natürlich bin ich noch aufgeregt! Sollte ich einmal nicht mehr aufgeregt sein, wenn ich auf die Bühne gehe, dann mach ich irgendwas falsch. Aber tatsächlich Lampenfieber kommt erst kurz bevor ich auf die Bühne gehe bzw. so einen Tag vorher.

DT: Du bist mittlerweile schon Tour erprobt: Wie sieht für Dich der perfekte Tourtag aus und wie is er dann wirklich?
Frank: (lacht) den perfekten Tourtag gibt es nicht. Weisst du, an jedem Tourtag hast du irgendwo was anderes was nicht so läuft. Es gibt auch viele Dinge, die du nicht beeinflussen kannst wie Stau, technische Defekte, oder einer wird krank, usw. Es passiert auf jeder Tour irgendein Weh-wehchen. Und ich war noch auf keiner Tour, die perfekt war. Aber genau das macht das Ganze auch charmant. Weil es gibt in einer Tour auch dieses persönliche, diesen Zusammenhalt. Natürlich braucht es keiner, dass was kaputt geht oder so, aber am Ende wäre perfekt langweilig. Jede Tour hat ihr eigenes Karma und das macht sie einzigartig. Und für mich persönlich ist es perfekt, wenn wir coole Konzerte spielen, es den Leuten gefällt und wir dem Publikum ne geile Zeit schenken. Am Ende zählen nur die Minuten auf der Bühne!

 

 

geschrieben von: Saskia Scherf
© Photo: Karin Garreis (Harle)