SCHATTENMANN - Epidemie

Kategorie:  Album-Rezension

Region:  West-, Mittel- und Südeuropa

 

Erscheinungsdatum: 05.07.2019

Mit ihrem Debütalbum „Licht An“ haben sie einen neuen Weg beschritten – den Weg der NDH 2.0. Nun haben SCHATTENMANN ihr zweites Album „Epidemie“ veröffentlicht. Mit insgesamt 12 neuen Songs und einer spürbaren musikalischen und künstlerischen Weiterentwicklung präsentieren die Musiker das zweite Werk.

Einer Einladung ins „Schattenland“, ausgesprochen vom SCHATTENMANN himself, Frank Herzig, nimmt man doch gerne an. Bereits mit dem ersten Track geben die Musiker Gas und geben eine musikalische Richtung vor. In gewohnter gitarrenlastiger Manier, mit rhythmischem Bass und einem tanzauffordernden Schlagzeug kann man diese Einladung absolut nicht abschlagen.
Zweiter Titel wurde bereits im Vorfeld mit Video veröffentlicht und trägt den einprägsamen Namen „F.U.C.K.Y.O.U.“. Hoch emotional, direkt und voll auf die Fresse! So lässt sich dieser Song am Besten beschreiben. Erwartet man im Refrain harte Riffs, wird man von einem doch eher „sanften“, eingängigen Chorus überrascht. Lyrisch eine Abrechnung mit allen Menschen, die nicht nur den kleinen Finger, sondern gleich die ganze Hand nehmen und einen dann im Regen stehen lassen. Einer der wohl aussagekräftigsten Titel auf dem gesamten Album.
„Schlag für Schlag“ schmettert einem harte, geradlinige Gitarrenriffs um die Ohren. In den Strophen eher mit Sprechgesang, zeigt Frontmann Frank im Chorus seine stimmliche Entwicklung. Defintiv ein Titel zum Headbangen.
Mit dem gleichnamigen Titel „Epidemie“ zaubern die Musiker ein Highlight aus dem Hut, dass in keine Schublade passt. Ungewohnt harte, schnelle und brachiale Töne, die man so bisher noch nicht gehört hat. Und trotzdem verpasst Frank dem Song einen gewohnten Touch SCHATTENMANN und den nötigen Ohrwurmfaktor.
Wer von uns kennt nicht das Spiel „Wahrheit oder Pflicht“?! Auch Jan, Nils, Frank und Luke laden ein mit ihnen zu „spielen“. Dieser Titel wurde bereits mehrfach live zelebriert und kam durchweg positiv an. Ein Track der stetig nach vorne geht, sich zum Chorus hin immer mehr aufbaut, nur um sich dann mit einer Wucht zu entladen, die keinen Stein mehr auf dem anderen lässt.
Ein absolut emotionaler Song ist „Ruf der Engel“. Live rief er bei einigen bereits Tränen hervor und erzeugt eine ganz einzigartige Stimmung, die einen tief berührt. Tiefsinniger Text, emotional dargeboten mit der rauen Stimme von Frank, geht dieses Lied einem unter die Haut. Und trotz des doch recht rockigen Refrains, verliert der Titel nichts an Intensität.
Also wenn man SCHATTENMANN eines nicht unterstellen kann, dann das, dass sie nicht abwechslungsreich ihr Album gestalten würden. War man gerade noch tief emotional betroffen, geht es schon wieder ganz getreu dem siebten Track mit dem „Kopf durch die Wand“.
„Schwarz = Religion“ ist wieder ein Titel, bei dem man nicht anders kann, als den Kopf im Takt zu bewegen. In diesem Lied stellt Frank lyrisch ganz klar richtig, was „Schwarz“ für dessen Träger bedeutet. Mit harten Gitarren und einem absolut einprägsamen Refrain reiht sich dieser Track in die Reihe ein.
„Gewissen“ und „Darkroom“ sind die Titel neun und zehn und mittlerweile schon bald im letzten Drittel des Albums. Ersterer geh wie bereits die Vorgänger zielgerade nach vorne. Als kleines Juwel kann man „Gewissen“ auch gerade wegen dem Gitarrensolo nennen. Zweiterer „Darkroom“ ist ein ziemlich Synth-Sound geladener Track, der an die eine oder andere Größe der NDH-Szene erinnert. Dennoch klingt es nicht abgekupfert, oder gar geklaut. Besonders der Refrain bleibt im Ohr und animiert zum Tanzen.
Also wenn SCHATTENMANN eines können, dann zwischen den Emotionen und den Songs hin und her springen. Die zweite Ballade auf „Epidemie“ nennt sich „Nadel und Faden“. Ein Lied mit Pianobegleitung, Franks rauer Stimme und einer lyrischen Meisterleistung. Eben genau all jenes, was eine Ballade haben muss. Live wird sich herausstellen, welcher Song „Nadel und Faden“ oder „Ruf der Engel“ live die Fans mehr zu Tränen rühren wird.
Den Kreis schließt „Phantom“ und damit ein zwölf Songs umfassendes Album. In doch eher rockigem Gewand, aber dennoch nicht weniger intensiv und eingängig überzeugt auch „Phantom“, als eigenständiges Lied.

Immer noch ein wenig baff über eine derartige Weiterentwicklung sitzt man vor dem Album und überlegt, ob man nun einen Lieblingstrack ausmachen konnte?! Doch letztendlich kommt man zum Schluss, dass sich SCHATTENMANN nicht nur erwachsener und reifer anhören, sondern auch wesentlich härter geworden sind. Dennoch haben sie nichts von ihrer Einzigartigkeit verloren. Sie versuchen nicht, alte Wäsche neu einzufärben, sondern beschreiben neue Wege. Natürlich lässt sich nichts neu erfinden, aber die gesamte Performance macht dieses Album zu einem mehr als gelungenen zweiten Werk. Sie zeigen in ihrer Musik Ecken und Kanten auf und scheuen sich wie gewohnt nicht davor, zu sagen was sie denken.

Tracklist:
01.Schattenland
02.F.U.C.K.Y.O.U.
03.Schlag für Schlag
04.Epidemie
05.Wahrheit oder Pflicht
06.Ruf der Engel
07.Kopf durch die Wand
08.Schwarz = Religion
09.Gewissen
10.Darkroom
11.Nadel und Faden
12.Phantom

 

 

geschrieben von: Saskia Scherf
© Photo: SCHATTENMANN

 

 

Worte

  • Schattenmann
  • Epidemie
  • Album
  • Frank
  • Luke
  • Nils
  • Jan
  • Tour 2019
  • 01.Schattenland 02.F.U.C.K.Y.O.U. 03.Schlag für Schlag 04.Epidemie 05.Wahrheit oder Pflicht 06.Ruf der Engel 07.Kopf durch die Wand 08.Schwarz = Religion 09.Gewissen 10.Darkroom 11.Nadel und Faden 12.Phantom